MMA – Mixed Martial Arts
Alle Artikel, Sport Dienstag, Dezember 14th, 2010Mixed Martial Arts – Kampfsport mit schlechtem Image?
Unter der Abkürzung MMA wird der Begriff “Mixed Martial Arts” verstanden, zu deutsch: gemischte Kampfkünste. Die moderne und eigenständige Art des Vollkontaktwettkampfes entstand in den 90er Jahren und bedient sich der Inhalte verschiedener Kampfsportarten. Eine hohe Popularität erlangte der Sport durch die Aufführung von Vergleichskämpfen in der UFC (Ultimate Fighting Championship). Die Kämpfer verwenden sowohl Schlag- und Tritttechniken aus dem Boxen, Muay Thai und dem Kickboxen als auch Bodenkampftechniken aus dem Judo, Ringen und Jiu-Jitsu. Zudem werden Techniken aus weiteren Kampfsportarten genutzt. Der Unterschied zu anderen Vollkontaktsportarten besteht insbesondere darin, dass im Bodenkampf in einem gewissen Rahmen auch getreten und geschlagen werden darf.
Scharfe Krtitik aus aller Welt
Mixed Martial Arts stehen in der Kritik. Als Schlagwörter werden immer weider Gewalt und Brutalität angeführt. Die Rundschau des Schweizer Fernsehens berichtete, dass die Kampfsportart “Free Fight” in vielen Kampfsportverbänden als umstritten gilt. Insbesondere das Schlagen eines wehrlosen Kämpfers bei der Bodentechnik sei unverantwortungslos. Peter Danckert, Vorsitzender des deutschen Sportausschusses, verglich Mixed Martial Arts in einem Interview mit “Spiegel TV” mit den römischen Gladiatorenspielen. Die Tatsache, dass Mixed Martial Arts während des Nazi-Regimes ausgeübt wurde, hat die Sportart bereits in der damaligen Zeit in Bedrängnis gebracht. Als bedeutendster Kritiker wird der Boxkommentator Werner Schneyder betrachtet. Dieser sagte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen aus, dass dieser “Wahnsinn verboten werden” müsse. Ansonsten würden “Krüppelhaftigkeit und Todesfolgen” in Kauf genommen. Schneyder erklärte dem Stern-TV gegenüber, dass keine klaren Regeln existieren würden und diese neue Sportart durch ein “Versagen von Protagonisten” zustande gekomen sei. Zeitgleich wurf der Gymnasiallehrer Gregor Herbst Kritikern vor, dass sich diese nicht wirklich mit der Sportart und ihren Grundsätzen befasst hätten. Die Kritiker stammen zu großen Teilen aus den Reihen der Boxern, deren Kampfsportart in den USA bereits lange von MMA verdrängt worden sei.

Untersuchung der Vorwürfe bezüglich:
1. Gleichsetzung von Kampfsportlern mit Straftätern
2. Kämpfe ohne Regeln, Vortäuschung falscher Tatsachen
3. Gewaltprävention, gesellschaftliche Wertschätzung, Jugendarbeit und Teamgeist
1. Gleichsetzung von Kampfsportlern mit Straftätern
Viele Kampfsportler die Mixed Material Arts ausüben, werden mit Straftätern gleichgesetzt. Dies geschieht insbesondere vor dem Hintergrund von Vorfällen, bei welchen die Kampfsportart angewendet wurde. Wie in jeder Kampfsportart existieren “schwarze Schafe”. Allerdings stammen viele Kampfsportler des Mixed Martial Arts aus den Reihen des Öffentlichen Diensts, der Justiz und der Polizei. Eine Zustimmung von Seiten dieser Gesellschaftsgruppen konnte nur deshalb erfolgen, weil die Organisation der Kampfsportart professionell und vorbildlich ausgeführt wird.
2. Kämpfe ohne Regeln, Vortäuschung falscher Tatsachen
Das Vorurteil, dass Veranstaltungen und Kämpfe ohne feste Regeln abgehalten werden, ist unwahr. MMA ist durch die offiziellen Vorgaben der “Unified Rules of Mixed Martial Art” reglementiert. Die Wettkämpfe werden unter der Aufsicht des Verbandes “Free Fight Association” durchgeführt. Dieser Verband hat etliche Vorgaben vorgeschrieben, zu welchen Zeitbegrenzungen, Gewichtsklassen, Rundenanzahlen und ärtzliche Untersuchungen gehören. Während der Kämpfe werden Sicherheitsausrüstungen genutzt, zudem werden diese durch professionelle Ringrichter und Schiedsrichter überwacht. Durch Drogentests wird ein fairer Wettkampf belegt. Zudem müssen 32 Verbotsregeln eingehalten werden, welche bei Nichtbeachtung zur Disqualifikation und zum Wettkampfsverbot führen können. Verboten sind unter anderem Tiefschläge, Kopfstöße sowie Schläge auf den Kopf eines liegenden Gegners und Schläge auf die Wirbelsäule.
Die Behauptung, dass MMA gefährlicher als Boxen ist, stellt ebenfalls ein Vorurteil dar. Eine aktuelle Studie der “John Hopkins University” belegt, dass die Knockout-Wahrscheinlichkeit bei Mixed Martial Arts wesentlich geringer ausfällt als beim Boxen. Beim Boxen müssen Kampfsportler bis zu 12 Runden lang Schläge auf den Kopf aushalten. Bei Mixed Martial Arts beträgt die Rundenanzahl maximal fünf Runden. Durch das umfassende Regelwerk werden alls empfindlichen und wichtigen Körperteile der Kampfsportler geschützt. Als Beispiel kann die “Blutschlacht von Wetzlar” angeführt werden, bei welcher der Boxer Arthur Abraham acht Runden lang mit gebrochenem Unterkiefer kämpfte, ohne dass der Kampf abgebrochen wurde. Eine solche Konstellation ist bei Mixed Martial Arts undenkbar, da das Regelwerk eine solche Vorgehensweise unterbindet.
3. Gewaltprävention, gesellschaftliche Wertschätzung, Jugendarbeit und Teamgeist
Mixed Martial Arts besitzt für viele Personen den Beigeschmack eines harten und brutalen Sports. Allerdings wird MMA in allen Vereinen auf der Grundlage der Gewaltprävention gelehrt. Essentiell wichtige Punkte wie Gewaltprävention, Jugendarbeit, gesellschaftliche Wertschätzung und Teamgeist werden bei jedem Training vermittelt und vorgelebt. Die meisten Sportler werden durch Trainer unterrichtet, welche Mitglied von offiziellen Sportbünden sind und ebenfalls andere Kampfsportarten ausüben. Während des Trainings wird der Respekt vor allen Mitmenschen und Religionen vermittelt, der Teamgeist wird gefördert.

Wissenswertes
Beim MMA sollte der Gegner im Kampf besiegt werden. Wie bei vielen anderen Kampfsportarten kann der Mitstreiter den Kampf abbrechen, indem er auf den Boden klopft. In unserer Gesellschaft wirkt die Tatsache, dass jemand der am Boden liegt, geschlagen wird, äußerst banal. Allerdings bietet diese Situation im MMA-Kampf wesentliche Vorteile. So kann sich der Kämpfer der am Boden liegt oftmals wehren. In vielen Situationen ist er gar nicht der Unterlegene. Vielmehr kann er durch das Liegen am Boden den Kampf für sich entscheiden. Jeder Kämpfer hat sich auf den Kampf vorbereitet und weiss, auf was er sich einlässt. Der Kampf kann jederzeit durch die Kämpfer, den Arzt, den Ringrichter und den Trainer abgebrochen werden. Im Alltag hält sich nicht jeder an die Tatsache, dass eine liegende Person nicht geschlagen werden darf. Durch den Bodenkampf kann die Selbstverteidigung in einer solchen Situation eingeübt werden. MMA dient jedoch nicht nur zur Verteidigung, sondern ist auch ein Fitnesssport. Alle Attribute wie Koordination, Beweglichkeit, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer werden während dem Training geschult. Der Kalorienverbrauch ist wesentlich höher als bei anderen Sportarten. Der Körper erfährt ein umfangreiches Rundum-Training, welches Verletzungen und Erkrankungen vorbeugt.
Ist jeder der MMA trainiert auch ein aktiver Fighter?
Nein. Wer MMA trainiert ist nicht verpflichtet in den Ring zu steigen. Der Großteil der Sportler möchte nur trainieren, da er die Vorteile des Trainings schätzt. Jeder Kampfsportler entscheidet selber, ob er in den Ring steigen möchte und in welcher Intensität er das Training ausüben möchte. Der Kampf, welcher typischerweise im Käfig ausgeübt wird, hat marketingtechnische Gründe. Durch den psychologischen Effekt des Käfigs wird eine Szenerie erzeugt, welche den Sport vermarkten soll. Zudem wird der Sportler vor einem Herausfallen ins Publikum oder den Boden geschützt. Bei einer möglichen Höhe von bis zu zwei Metern kann die Gefahr leicht eingeschätzt werden.
Fotos: © Nicholas Piccillo
Kurz-URL: http://az-bericht.com/?p=86



















Toller Artikel – Gratulation!
[...] Hierzu noch ein interressanter Bericht : http://az-bericht.com/mma-mixed-martial-arts/ [...]